Montag, 10. Dezember 2018

Einhandsegler

Ja, wir bewundern sie schon, die Einhandsegler. "Einhand" heisst auf Englisch "single-handed" oder "solo", es befindet sich also nur eine Person auf dem Schiff. Zu zweit heisst übrigens "short-handed", man hat auch keine Hand übrig :) !

Was bedeutet es denn nun, allein unterwegs zu sein? Die Planung, alle Entscheidungen und die ganze Verantwortung lasten auf einem selbst, man kann sich mit niemandem austauschen. In schwierigen Situationen ist man ganz auf sich selbst angewiesen, keine Motivation, Unterstützung oder Trost kommt von einem anderen Crewmitglied. Und wenn es so richtig schön ist, die Sterne am Himmel blinken und das Meer leuchtet, dann ist auch niemand da, mit dem man die Freude teilen kann - nein, definitiv nichts für mich!

In den letzten Wochen verfolgten wir die "Route du Rhum", eine Einhandregatta von der Bretagne nach Guadeloupe. In der ersten Woche segelte die Flotte in einen schlimmen Sturm auf der Biskaya, die Hälfte der Schiffe der Open-60 Klasse wurde beschädigt und musste Nothäfen für Reparaturen anlaufen. Am Schluss kamen 15 von 20 Schiffen im Ziel an. Der fast vom ersten Tag an Führende, der Brite Alex Thompson, verschlief vor Erschöpfung die Ankunft, landete auf den Steinen vor der Küste und wurde mit einer Zeitstrafe von 24 Stunden belegt, weil er den Motor benutzen musste, um wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen. Eine Regatta für Helden.

Nun haben wir das grosse Glück, dass bei der Rückführung nach Frankreich (mit mehrköpfiger Besatzung) einige dieser Schiffe einen Zwischenstopp auf Horta einlegen. Wir bekommen Gelegenheit diese Rennmaschinen aus der Nähe zu betrachten und mit den Seglern ein paar Worte zu wechseln. Es ist erfreulich wie normal, freundlich und zugänglich diese Profis sind, echte Spitzensportler eben!

Das Boot von Damien Seguin habe ich im letzten Blogpost schon vorgestellt, hier noch ein Bild von schräg hinten, die unten liegenden Salinge sind gut zu erkennen.


Das Boot von Ari Huusela ist schon ein älteres Modell, der Mast ist noch ganz konventionell.



Die Arielle II hat schon ein paar Jährchen unter dem Kiel, trotzdem erreichte der Finne Platz elf von zwanzig Booten in dieser Klasse.


Hier ein Boot der neuesten Generation: die Seitenschwerter sind hier zu Foils "umgebogen". Sie gleiten wie ein Flügel auf der Leeseite (der vom Wind abgewandten Seite) durchs Wasser und geben Auftrieb. Das Boot krängt so weniger, ausserdem kommt es weiter aus dem Wasser und ist so schneller. Die "La mie Câline" von Arnaud Boissières majestätisch vor dem Pico!


Das eingezogene Foil ist gut zu erkennen. Es wird sorgfältig abgefendert und die Crew legt das Boot wie ein rohes Ei an den Kai.




Und zum Schluss noch dies: Unter all diesen Helden fällt einer der Segler, Damien Seguin, als "Superman" auf, ein wahrer Einhandsegler: Er hat nämlich nur eine Hand! Der mehrmalige Weltmeister und paralympische Champion segelt jetzt Open-60 und wurde Sechster. Mind over matter!


Dienstag, 4. Dezember 2018

Schnell, sehr schnell

Heute kam eine Imoca-60, ein Rückkehrer von der Route du Rhum, auf einen Zwischenstopp in Horta vorbei. Es handelt sich um das Boot von Damien Seguin, welches die Regatta auf dem sechsten Platz beendete. Was für eine Rennmaschine!

Unten liegende Salinge, Schwenkkiel, Seitenschwerter - das ganze Programm (aber keine Foils)


Um das Mast-Rake zu verstellen, sind sowohl die Salinge als auch der Mastfuss, auf Kugeln gelagert.


Das Cockpit hat zwei Niedergänge, alles ist ergonomisch optimiert und aus Carbonfasern gebaut um Gewicht zu sparen. Die zwei Hydrogeneratoren sind gut zu erkennen. Dieses Schiff braucht viel Strom, wenn man nur schon die Ballastwasserpumpen und den hydraulischen Schwenkkiel berücksichtigt. Der Verbrauch des Navigationscomputers und der Breitband-Kommunikationsanlage ist da nur noch "Peanuts".


Ganz toll fand ich, dass die französische Crew ihren Abfall schön separiert aus dem Schiff nahm und entsorgte. Der korrekte Umgang mit Abfällen auf See scheint heute die Norm zu sein, hier in Portugal sieht man überall Plakate, die für den verantwortungsvollen Umgang mit Abfall - vor allem Plastik - werben. "Kein Plastik ins Meer", das scheinen sich die Menschen langsam bewusst zu werden.

Der Sturm, welcher nach Messungen in der Capitania bis zu sechzig Knoten Wind brachte, ist endlich vorbei. Es ist alles gut gegangen, der Regenbogen verschönt den Morgen.


Montag, 3. Dezember 2018

Fünfzig Knoten!

Wir bleiben heute auf dem Löttchen, es bläst. Unsere Ruckdämpfer machen Überstunden. Wir krängen zeitweise stark und müssen aufräumen - was nicht niet- und nagelfest ist, fliegt durchs Boot. Die stärkste Bö, welche wir messen konnten, hatte mehr als fünfzig Knoten.

Dies ist unser Ausblick aus dem Pantry-Luk - so soll es bis am Abend weitergehen, hoffentlich hält der Steg!


Abends: kein Badewetter.



Samstag, 1. Dezember 2018

Winterstürme

Mit schöner Regelmässigkeit kommen grosse Tiefdruckgebiete bei den Azoren vorbei. Das Wetter ist dann garstig mit viel Wind - wir bekommen sogar ein paar Tropfen ab, in unserer Lieblingsbar in Porto Pim.


Nach 24 - 48 Stunden ist meist alles vorbei, die Sonne scheint und wir geniessen zwanzig Grad in T-shirts und Sandalen.


So ist Azoren-Wetter: "Four seasons in a day!"

Donnerstag, 29. November 2018

Guten Morgen

Ist das eine Aussicht aus dem Salonfenster, oder nicht? Da hat man doch den ganzen Tag gute Laune!



Mittwoch, 28. November 2018

Gibt es ein Leben...

...ohne Silbertape? Ja, aber es ist nicht erstrebenswert.

Wir sind auf der Suche nach dem mysteriösen Wassereinbruch fündig geworden! Diese Luke liegt auf dem Achterdeck und nicht in der Nähe unseres feuchten Schranks auf Backbord. Aber nach tüchtigem Abspritzen mit dem Schlauch, fanden wir Wasser im Schrank, nach dem Abkleben und wiederholtem Abspritzen, war der Schrank trocken. Juhu!!


In den letzten Tagen kam ein schweres Sturmtief mit starken Schauern vorbei, das Eindrücklichste seit wir in den Azoren sind. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, warum es neuerdings auf der Steuerbordseite aufs Bett tropft. Vermutlich leckt die Luke auf der anderen Seite auch ... Es wird uns also bestimmt nicht langweilig, die Suche geht weiter. Wenn das zweite Leck auch gefunden ist, wird die Reparatur nicht allzu kompliziert sein.

Das Yachty-Leben besteht eben nicht nur aus Freude und exotischen Drinks bei Sonnenuntergang. (...aber meistens schon!)

Freitag, 23. November 2018

Ich bin ein Europäer



Mein Herz blutet. Die Vision "Europa", einst Hoffnungsschimmer für die Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, droht sich im Kleingeist des Populismus und der Pest des Nationalismus aufzulösen.

In den letzten drei Jahren lebte ich in zehn verschiedenen europäischen Ländern und wurde natürlich auch mit Mängeln und Fehlentwicklungen dieses riesigen Projektes konfrontiert. Aber es lebte sich überall gut in dieser "Grossbaustelle", die Menschen hatten Arbeit, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, moderne Kleidung und ein Handy. Es findet sich in jedem politischen System ein Verbesserungspotenzial, wenn man sucht, findet man überall Fehler und auf keinen Fall halte ich den jetzigen Zustand für vollständig befriedigend. In der heutigen Politik fehlen aber Visionäre, welche die Entwicklung beflügeln und Europa in die Zukunft führen wollen. Im Gegenteil: den Menschen werden Verlustängste eingeredet, die Migration dient als Drohkulisse für die eigene politische Agenda und anstatt dieses grosse Problem gesamteuropäisch, pragmatisch anzupacken werden die eigenen Wähler instrumentalisiert. Die Vision "Europa" als friedensstiftende, Völker verbindende Institution wird auf dem Altar des Dauerwahlkampfes geopfert, das politische Klima wird polarisiert und ein lösungsorientierter Konsens immer schwieriger.

In der Schweiz wird dieses Wochenende über die "Selbstbestimmungs-Initiative" abgestimmt. Vordergründig geht es um ein juristisches Gerangel über internationale Verträge, "the elephant in the room" ist aber, wie immer wenn die Partei mit den einfachen Lösungen auf den Plan tritt, die Europäische Gemeinschaft. Konservative Kreise bewirtschaften ihre Wähler ohne Unterlass mit Untergangsvisionen, die direkte Demokratie wird zur heiligen Kuh, der "selbstbestimmte Weg" zum leuchtenden Pfad.

Der nationale Alleingang kann aber auch zum Gang in die Dunkelheit werden.