Mittwoch, 10. August 2016

Greystones

Das Wetter macht es uns im Moment nicht einfach. Der Irische Wetterdienst gab heute für die ganze Küste eine "Small Craft Warning", eine Starkwind-Warnung heraus. Wir interpretierten die Wetterkarte für uns so, dass vor allem im Nordwesten starke Winde vorherrschen würden und wagten den kurzen Sprung nach Greystones in den Süden.  Dieser Hafen ist ganz neu - drei Jahre alt - und wurde uns von den Einheimischen wärmstens empfohlen. Vermutlich haben auch alle Iren Anteilscheine an diesem Hafen, die Preise sind auf alle Fälle gesalzen und gepfeffert, aber wenn's auf See ruppig und nass wird - wie heute, eben - dann zahlt man gerne für einen ruhigen Schlaf. Die Marina ist natürlich schon sehr edel, etwas retortenhaft vielleicht, aber das Personal ist sehr zuvorkommend und hilfsbereit, das ist doch auch etwas...


Als wir Howth am Morgen verliessen hatten wir nur ein bisschen Wind, wir motorten über die Dublin Bay und konnten unseren Lieblings-Leuchtturm endlich einmal von See aus sehen.


Auch heute war wieder das schwere Ölzeug angesagt, das stört meine Navigatorin schon lange nicht mehr. Auch die paar Schauerböen von Stärke sechs, welche wir vor dem Hafen noch auf die Mütze kriegten, sehen wir als fast normal an, "Irish weather", eben...


Es war schön früh anzukommen, so konnten wir den Nachmittag mit Lesen und einem Einkaufsbummel im Supermarkt geniessen. Und auf dem Heimweg gab's trotz Mittwoch eine Ausnahme!


Tja, just another day at the office...

Dienstag, 9. August 2016

Viel Wind in Dublin

Wir liegen immer noch in Howth. Mike und Familie sind gestern nach Hause geflogen, wir vermissen sie schon jetzt. Ein massives Tiefdruckgebiet ist über den Norden der Britischen Inseln hinweg gezogen und brachte uns sehr starke, böige Winde (immer wieder kurzzeitig bis 40 Knoten, fast Windstärke 9), so dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Wir warten ausserdem immer noch auf ein Paket mit Ersatzteilen aus Deutschland, welches einfach nicht ankommen will. Das Hafen-Wifi ist eine Katastrophe, wir sitzen zur Zeit im Starbucks an der Hafenmeile um unsere Bankzahlungen zu erledigen, Mails zu beantworten und ein bisschen online den Tages-Anzeiger zu lesen. Nein, Heimweh haben wir keines, aber es interessiert uns schon, was in der Schweiz so läuft. Die Bilanz der ersten vier Monate unserer Langfahrt ist sehr positiv, unser Leben ist spannend und es gefällt uns sehr. Wir haben in den letzten Monaten so viel vom Norden gesehen, und doch bleibt der Eindruck punktuell. Wir können unmöglich alles sehen, ein Sommer ist für diese Reise definitiv zu kurz. Norwegen wollen wir auf alle Fälle in ferner Zukunft noch einmal besuchen, dann aber einen ganzen Sommer lang.
Heute machten wir einen langen Spaziergang auf dem "cliff walk". Ich war hocherfreut, wie gut ich wieder zu Fuss unterwegs bin. Als wir vor zwei Jahren hier waren (Städteflug), konnte ich mit meinen angerissenen Achillessehnen nur mit Schmerzen gehen, heute ist alles wieder tipp-topp. Schön, dass sich mein altes Gestell immer noch regeneriert, es braucht halt etwas Geduld :-)

Der Leuchtturm am Nordende der Dublin Bay vom "cliff walk" aus aufgenommen.



In der Zwischenzeit haben wir herausgefunden, dass unser sehnlichst erwartetes Paket aus Deutschland noch nicht einmal abgeschickt wurde, wir lassen es nach Frankreich weiterleiten, wo wir als nächstes hin segeln wollen. Der Plan wäre, direkt von Südirland aus nach Camaret an der Bretonischen Westküste zu segeln, wenn das Azorenhoch noch ein bisschen hält, könnte das klappen. Wie lange wir dann in der Bretagne bleiben wird wohl der Wind entscheiden, wir müssen ja noch vor Oktober über die Biskaya...
Draussen kreischt der Wind wieder in den Masten, es ist 17 Grad warm und ich muss sagen, etwas Sommer wäre jetzt schon langsam fällig. Die Hafentage ohne Kuchenbude lassen sich an einer Hand abzählen und unterwegs ist das volle Ölzeug mit dickem Wollpulli angesagt, der Wind ist schneidend kalt. Der Norden hat unbestreitbar seine Reize, die Landschaft und die unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Menschen entschädigen für vieles, aber ein Sommer ohne Sommer?? Spanien und Portugal locken immer stärker!
Es gibt also wieder neue Ziele. Das Boot ist gut in Schuss und wir sind guten Mutes. Wie singt Udo Lindenberg doch (so schön)? Hinterm Horizont geht's weiter!

Um ganz ehrlich zu sein: wir hatten am Samstag ein paar Stunden solches Wetter (Panorama über Howth Harbour)




Freitag, 5. August 2016

Touri-Tour in Dublin

Wir haben Besuch von Mike und Familie. Heute unternehmen wir einen Ausflug nach Dublin und geniessen das Touristen-Vollprogramm. Mit der S-Bahn ins Zentrum, ein Spaziergang am Fluss, Mittagessen im Vergügungsviertel "Temple Bar", natürlich ein Spaziergang durch den Park des Trinity Colleges, Besichtigung von Christchurch Cathedral und als Abschluss ein Besuch des "Guiness Strorehouse", ist doch klar.

Die Marina von Howth mit...


...und ohne Wasser.



Leuchtfeuer an der Hafeneinfahrt



Isabella "in action" auf dem Spielplatz


Ich wusste nicht, dass so kleine Mädchen Humor haben. (Haben sie, definitiv!)


Stolzer Grossvater.


Schöne Pubs, noch und noch!


Was das Herz begehrt., der Verstand leider nicht...


Christchurch Cathedral


Die Halfpenny Bridge. Soviel kostete damals der Brückenzoll.


Das Atrium der Guinness Brauerei. Eine wirklich gut gemachte PR-Maschine, unterhaltend, einnehmend, aber nicht besonders informativ.


Isabella ist von den "Irish musicians and Celtic Dancers" fasziniert.


Suzanne und Emily


Mike, hard at work.


Hmmm, I'd like to think not!


Schöner Rundblick von der Gravity Bar, zuoberst auf der Brauerei.



Montag, 1. August 2016

Howth

Endlich finde ich etwas Musse mich meinem Blog zu widmen. Die letzten zwei Tage waren wir viele Stunden unterwegs und der Wind und die Wellen verlangten uns seglerisch einiges ab. Da war nix mit lesen und den Autopiloten arbeiten lassen. Wir fuhren fast ausschliesslich hoch am drehenden und kapriziösen Wind, da war aktives Segeln gefragt. Von Peel aus segelten wir nach Ardglass an die Nordirische Küste und von dort nach Howth in der Nähe von Dublin (Republik Irland). Das Wetter hielt sich am Tag richtig gut, wir kamen bis auf einen kurzen Schauer völlig trocken hier an. In der Nacht bekamen wir allerdings eine kräftige Bootswäsche. Mit den Gezeiten hatten wir gestern grosses Glück und wurden die meiste Zeit etwas geschoben.

Dublin ist für uns ein besonderer Ankunftshafen. Vor zwei Jahren machten wir einen Städteflug hierhin und standen in Howth auf der Hafenmole. Unsere Bewunderung für die einheimischen Segler, welche sich mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit in diesem schwierigen Revier zurechtfanden, war fast grenzenlos. Nun, von Selbstverständlichkeit kann bei uns natürlich nicht die Rede sein, aber wir sind doch ohne Schaden von Shetland hierher gesegelt und finden uns schon ein bisschen gut! :-)

Ein paar Bilder der letzten Tage:

Die Bucht von Peel.


Ein Panorama von einem "coastal walk" auf der Isle of Man.


Diese "Walze" jagte uns auf dem Weg nach Ardglass einen gehörigen Schrecken ein. Es geschah...nichts!


Der Hafen von Ardglass ("a very limited place", meinte unser Stegnachbar) bei Niedrig-...


...und Hochwasser.


The "Eye of Ireland", eine kleine Insel vor Howth mit dramatischem Himmel


Am Dienstag kommt die Dänenfamilie zu Besuch, wir freuen und sehr sie wieder hier zu haben. Lotta muss jetzt aber dringend in einen besucherfreundlichen Zustand versetzt werden. Eine grosse Putzaktion ist angesagt.

Sonntag, 31. Juli 2016

Howth, Dublin, Ireland

Wir sind nach fast 100 Seemeilen gegenan in Howth bei Dublin angekommen. Wir hatten zwei schöne, aber ziemlich anstrengende Segeltage. Dies ist die dritte Gastlandflagge in zwei Tagen. Morgen viel mehr!

Donnerstag, 28. Juli 2016

Isle of Man, The TT-Races

Liebe Leser, ich denke niemand von Ihnen hat von der Isle of Man keine Bilder von TT-Rennmaschinen erwartet. Das Isle of Man Tourist Trophy Race ist das älteste, verrückteste und umstrittenste Strassenrennen der Welt. Die Strecke ist ca. 60 km lang, das Rennen findet auf ganz gewöhnlichen (abgesperrten) Landstrassen statt. Der Streckenrekord liegt bei etwas mehr als 17 Minuten, das entspricht einer Durchnittsgeschwindigkeit von 215 km/h! Es erstaunt nicht, dass im Rennen bisher 252 Männer den Tod fanden. (in den letzten hundert Jahren!)
Wir besuchten heute ein Museum mit Rennmaschinen. Bei vielen Videosequenzen von besonders gefährlichen Streckenabschnitten, welche als background  gezeigt wurden, sträubten sich mir die Haare!

Nun denn, ein paar Modelle meiner Jugend, da fühl ich mich doch gleich vierzig Jahre jünger.

Eine Triton aus den späten 60-er Jahren. Ein Triumph Motor in einem Norton Rahmen - the best of both worlds.


Eine 400-er Dreizylinder Kawasaki. Ich weiss aus eigener (Angstschweiss treibender) Erfahrung, dass der Motor dieser Maschinen dem Fahrwerk deutlich überlegen war (...und ich hatte nur ein Paar 250-er!)


Eine schöne Gruppe Kawasaki Production Racer. Im Vordergrund eine sehr seltene Zweizylinder 250-er, eine Perle!


Eine umgebaute Serien Triumph, die war offenbar auch recht erfolgreich.


Heute war das Wetter launisch, also setzten wir am Nachmitag unsere Museumsbesuche fort und genossen einen Besuch im Ortsmuseum. Der geschichtliche Rückblick über die letzten 2500 Jahre der Isle of Man war überraschend gut. Ich mag solche Multimedia (Disneyland) Präsentationen eigentlich nicht, muss aber zugeben, dass dieses Museum richtig gut gemacht ist! Nach einem Besuch im Creek Inn zauberte Liisa eine hammergute Gerstensuppe aus der Pantry. Passt zum Wetter.
Wir sind am studieren der Wetterberichte, im Moment ist noch unklar was wir morgen machen. Auf alle Fälle haben wir heute noch Diesel aufgefüllt...

Mittwoch, 27. Juli 2016

Peel, Liegetag

Peel ist schön. Uns gefällt es hier ausserordentlich gut!
Die Isle of Man hat einen halbautonomen Status, d.h. sie ist der Englischen Krone direkt unterstellt und gehört weder zum Vereinigten Königreich noch zur EU. Man gilt als Steueroase und zieht deshalb viele Offshore Gesellschaften an. Hier gibt's das Manx Pound als Währung (entspricht dem English Pound) und eigene Autonummern haben sie auch.


Der Hafen ist auch speziell. Er hat ein "flap gate", eine Art klappbares Wehr, welches nur in der Zeit um Hochwasser geöffnet wird. Bei einsetzende Ebbe wird es wieder hochgeklappt um das Wasser im Hafen zurück zu halten. Der natürliche Hafen würde sonst fast vollständig trockenfallen.


Wir kamen gestern eine gute Stunde vor Hochwasser an und konnten einfahren, sobald die Fussgängerbrücke zur Seite geschwenkt wurde.


Hier liegt man wie in Abrahams Schoss.


Gestern wurde Lotta bei der Überfahrt kräftig gepökelt. In der Nacht hat es sehr stark geregnet, heute präsentiert sie sich wieder in Hochglanz.


Heute war natürlich etwas Bewegung angesagt, Peel Castle wollte umrundet und der nahe liegende Hügel bestiegen werden. Peel Castle liegt auf einer vorgelagerten Insel, war schon seit den Wikingern bewohnt und wurde im 17. Jhd. zu seiner vollen Grösse ausgebaut.


Auf der Seeseite hat man eine schöne Aussicht.


Der Ausblick über die Peel Bay vom Hügel ist auch nicht schlecht!


Über Mittag basteln wir etwas am Schiff. Es gibt immer wieder etwas zu tun, Schrauben müssen nachgezogen, Splinte kontrolliert und abgetaped, Risse im Lazy Bag geflickt und da und dort ein Bändsel ersetzt werden.

Wir machen einen Stadtrundgang und besuchen die St. German Cathedral. Die ist leider nichts besonderes, Neo-Gotik Ende 19. Jhd. Aber diese Ruine hat mir dann doch noch gefallen.


Wir bleiben morgen ziemlich sicher noch hier. Das Klappwehr wird schon um sieben Uhr (mitten in der Nacht!!) wieder hochgefahren.